Bloggerbashing und Marketing-Buzzwords

Foto: flickr.com / EmaStudios

Man mag es bereits erahnen: ja, es geht um die deutsche Social Media-Landschaft. Und ja, bisweilen kann das vielgepriesene Web 2.0 mit seinen schillernden Persönlichkeiten, selbsternannten Experten und dergleichen mehr als nur nerven – bisweilen braucht es eine Auszeit und einen Gang ins Reallife 1.0. Denn zwischen vielen nützlichen Informationen bleibt insbesondere auch Zeitverlust und der Ärger darüber, Lebenszeit in die Lektüre von Pamphlets profilierungssüchtiger oder SEO-wütiger Autoren investiert – und vergeudet – zu haben.

Darunter zählen insbesondere pseudo-kritische Bashing-Beiträge, in denen es nur darum geht, andere Blogger anzuprangern, sie ob ihres Fehlverhaltens abzustrafen und den Ich-weiß-es-besser-Zeigefinger zu erheben, um sich von begeisterten Groupies in Kommentaren feiern zu lassen und kritische Kommentare abzubügeln. Ehrlich: ich bin es leid. Und künftig unfollowe ich solche Blogs – ich hab mehr als genug davon, ständig wieder in eigentlich tiefgründigen Blogs solche Ausraster anzutreffen und meine Lebenszeit mit dem Lesen derlei Schwachsinn zu vergeuden, es reicht mir von Bloggern, die sich für die Tollsten halten und das ständig wieder betonen müssen.

Was mir aber noch mehr auf den Geist geht, sind insbesondere angebliche Fachblogs im Social Media-Bereich. Mangels handfester Lehren scheint hier immer mehr Wetteifer auszubrechen, wer am tollsten mit SEO-Keywords und Marketing-Buzzwords um sich werfen kann. Derzeit absolut trendy ist offenbar die allseitige „Forderung“ (von wem eigentlich? Vom Internet? Der Bundesregierung? Dem Mossad?!) nach einem ROI für Social Media. Marketing-Unkundige dürfen aufatmen – sie haben keine Bildungslücke. Diese Forderung ist der krampfhafte Versuch, Social Media entweder Offline-Marketern der alten Schule schmackhaft zu machen oder sich selbst seines Unverständnisses zu offenbaren. Der ROI, das ist der sogenannte Return-On-Invest, eine Kennzahl aus dem Marketing, die einen Index generieren lässt, wie hoch der erwartete Gewinn beziehungsweise die erwartete Umsatzsteigerung beim Einsatz bestimmter Marketing-Kampagnen ist. Eine selbst offline aus Erfahrungswerten geschüttelte Kennzahl, so fiktiv wie der Zahlenteil eines Business-Plans: ein Blick in die Kristallkugel, der die Entscheider globaler Konzerne ruhiger schlafen lässt. Nichts weiter.

Wie gesagt, der ROI bildet sich aus Erfahrungswerten. Im Web 2.0 liegen diese nur in Form vager Studien schwammig vor. Es gibt derzeit keine Möglichkeit der Messung eines verlässlichen ROI – lustigerweise weisen selbige Blogger, die dieser Forderung nicht müde werden, darauf auch ständig selbst verschämt in einem Nebensatz hin. Hierfür bedient sich der Statistiker und Marketer nämlich des sogenannten KPI (herrje, noch ein Marketing-Buzzword…), des Key Performance Indicator. Der KPI ist eben der Schlüssel zum ROI, eine Kennzahl, die als Basis zur ROI-Berechnung verwendet wird. Und nun wird es zum Trend kleiner Social Media-Agenturen, nach der Normung eines KPI für Social Media-Aktivitäten zu krähen, ungeachtet der Tatsache, dass nichts so dynamisch ist wie das Web und nahezu täglich neue Normen aufgestellt werden müssten. Aber man kann mit solchen Branding-Blogs ja soviel Buzz generieren…

Liebe Kunden, lassen Sie sich nicht verunsichern: nahezu sämtliche PR-Aktivitäten im Social Media-Bereich sind derzeit noch experimentell und basieren auf ersten Erfahrungen, es gibt keine akademischen Lehrbücher darüber, wie der ROI für Social Media aussieht. Punkt. Es gibt Richtlinien, Erfahrungswerte und Studien, die übrigens in den erwähnten Blogs nur selten und meist auch noch ohne eigene Bewertung vorzufinden sind. Alles andere ist viel Wind – um nichts.

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