Monetarisierung von Webseiten – Teufelswerk Werbung

In den vergangenen Wochen entbrannte endgültig eine breite Diskussion über Online-Werbung. Die Verlagsmedien schalteten Hinweise für die Nutzer von AdBlockern, also Scripts, um die Anzeige von Werbung zu unterbinden. Statt Verständnis gab es dafür reihenweise Häme. Doch die Diskussion zeigt die aktuelle Problematik, gerade kleinere Webseiten zu refinanzieren. Was also tun, um für die Mühen, die hinter (guten) Webseiten stecken, entlohnt zu werden?

Blogs refinanzieren?

Das Problem ist so alt wie das Internet: die vielfach beklagte „Kostenloskultur“. Sprich, die Schwierigkeit, für das Erstellen von Inhalten Geld zu bekommen. Hier scheiden sich die Geister in viele kleine und große Fraktionen. Sogenannte Paywalls, bei denen pro Artikelabruf eine bestimmte Summe an Geld bezahlt werden muss, konnten sich bislang nirgends flächendeckend durchsetzen. Die taz hingegen setzt auf eine freiwillige Paywall – Nutzer entscheiden selbst, ob ihnen der besagte Artikel etwas wert ist. Nach über einem Jahr Laufzeit erreichte die taz so im Januar 2013 Einnahmen in Höhe von knapp über 12.000 Euro – was für eine Zeitung mit Vollredaktion immer noch extrem wenig ist. Auch Markus Beckedahl machte sich mit seinem Blog netzpolitik.org grundlegende Gedanken über die finanzielle Zukunft und startete vor wenigen Wochen eine Aktion zur Finanzierung des Blogs. Ebenfalls auf Basis von freiwilligen Spenden sammelte das Blog so seit dem Start der Aktion etwas über 25.000 Euro, womit das bisherige monatliche Minus von rund 4.000 Euro für die nächsten 6 Monate gestopft werden konnte. Allerdings sind die Zahlen im Gegensatz zu denen der taz rückläufig – die Zukunft bleibt somit weiter ungewiss.

Möglichkeiten zur Finanzierung von Blogs

Kleinere Blogs, die über keine breite Leserschaft verfügen, haben bei einer durchschnittlichen Spendenbereitschaft von 3-5 Prozent der Leser kaum Chancen, auf diese Weise Einnahmen zu erzielen, die den Gegenwert von einem Päckchen Zigaretten monatlich übersteigen. Die setzen in aller Regel auf Werbenetzwerke, Affiliate-Programme und – fatalerweise – auf Linkplattformen. Damit lassen sich immerhin geringe Einnahmen erzielen, die zwar noch immer lächerlich sind, aber wenigstens die reinen Betriebskosten decken können. Wo liegt der Haken bei den Alternativen?

  1. Bannerwerbung: wird verteufelt. Werbung ist böse, manipulativ und ein Geschwür des Kapitalismus, so die Meinung nicht weniger Nutzer. Einer Vielzahl von Nutzer ist sie zu aufdringlich, und selbst die wenigen, die sie nicht sofort wegblocken, klicken seltenst irgendwelche Werbebanner. Dauerhaft sind Banner-Ads somit kaum als Monetarisierungsmethode in Betracht zu ziehen.
  2. Affiliate-Programme: reduzieren die Ernsthaftigkeit von Empfehlungen. Wenn ich im Familienblog einen Kinderwagen bei Amazon anpreise und am Verkaufserlös prozentual beteiligt bin, wird mir alsbald unterstellt werden, bei der Bewertung nicht objektiv zu sein, weil ich schließlich ein gesteigertes Interesse am Verkauf diesen Kinderwagens besitze. Ist auch richtig und trifft bei vielen Webseiten zu – auch wenn in besagtem Familienblog tatsächlich nur Produkte beworben werden, die wir auch wirklich empfehlen können. Dennoch für den Nutzer kaum zu unterscheiden und damit auch keine meiner favorisierten Möglichkeiten, um an Geld für meine Mühen zu kommen.
  3. Link-/Artikelverkauf: gleich doppelt kriminell. Zum einen straft Google Webseiten erbarmungslos ab, die mit gekauften Links werben – sofern sie es denn mitbekommen -, zum anderen ist es hier mit der Objektivität und dem Informationsgehalt solcher Artikel endgültig Essig. In den wenigen Fällen, wo die Artikel nicht ohnehin fertig von der SEO-Abteilung jener Webseite angeliefert werden, die darin beworben werden möchte, gibt es zahlreiche Vorgaben, dass über das Produkt oder die Dienstleistung nur positiv zu berichten sei – meist ohne es überhaupt zu kennen. Und eine Kennzeichnung als gesponsorten Artikel möchte fast niemand – selbst wenn, reduziert dies den Preis drastisch. Leider ist das derzeit einer der lukrativsten Formen, kleinere Blogs und Webseiten zu refinanzieren, worunter die Seriösität von Produktempfehlungen, Testberichten und dergleichen drastisch leiden. Und wer glaubt, davon seien nur kleine Blogs betroffen, irrt: selbst bei großen renommierten Magazinen mit Ursprüngen in der gedruckten Fachpresse habe ich Rankings und Testberichte erlebt, die mehr als zweifelhaft waren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen Bezahlung erstellt wurden.

Erfolgreich finanziert: mobilegeeks

Was bleibt also? Die sogenannte „digitale Elite“ erklärt Bloggern wie Verlagsmedien häufig, sie müssen neue Finanzierungsmöglichkeiten schaffen. Dabei bleiben sie aber meist in ihrem Elfenbeinturm sitzen, verschweigen, dass sie ihren Lebensunterhalt selten von ihrem Blog, sondern meist von Tätigkeiten als Berater und Redner auf Fachtagungen bestreiten, und machen sich darum selbst keine Gedanken. Sascha Pallenberg, Betreiber u.a. des Blogs mobilegeeks.de, gehört zu den wenigen Bloggern in Deutschland, die von ihrer Tätigkeit leben können. Er hat Intel und Qualcomm als Hauptsponsoren gewonnen, kooperiert direkt mit Unternehmen, um Kosten für Affiliate-Plattformen zu sparen und tritt ebenfalls als Berater und Redner auf. Seine Arbeitszeit liegt dabei deutlich über denen von Angestellten mit einem 9to5-Job, im Gegenzug kann er von seiner Tätigkeit sein Leben finanzieren. Das Wichtigste für ihn: Leidenschaft. Viele allerdings, die ebenfalls mit Passion an ihr Blog herangehen, scheitern.

Quo vadis, Internet?

Wohin führt der Weg? Wie kann man erfolgreich Blogs monetarisieren? Und ebenfalls eine große, noch präzisere Frage: Wie kann man nebenberuflich oder in Teilzeit Blogs monetarisieren – also mit Blogs Geld verdienen? Oder sollten wir lieber altruistisch bleiben und auf unhehre Ziele wie Geld verdienen verzichten? Verkommt das Web zu einer Wüste aus Werbelinks ohne ernsthafte seriöse Gewichtung?

Quo vadis, Internet?

(Foto: rcade under cc by-sa 2.0

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