Nikon D90 vs. Nikon D7100 – die ersten Erfahrungen

Ein Blick auf das Display, die Vorfreude auf die Bilder wächst – und am Ende beim Import in Lightroom und Sichten dann die sich ausbreitende Enttäuschung: ihr kennt das. Nach sechs Jahren mit der Nikon D90 hat das letzte Shooting mit Patenkind und ihrer Freundin beim Turnen und im Tierpark den letzten Ausschlag gegeben: ein neuer Body musste her. Einen Systemwechsel habe ich schnell verworfen, auch mit dem wachsenden Systemkamera-Segment konnte ich mich noch nicht so recht anfreunden. Zur Debatte standen also zum Schluss: ein Umstieg auf Nikon-Vollformat, was aber auch einen teuren neuen Objektivpark nach sich gezogen hätte, sowie der D90-Nachfolger. Zum Schluss wurde aus der Überlegung D610/D800E/D7100 schließlich letztere: der Nach-Nachfolger der D90 sollte es werden. Nachdem auch die Kaufhürde (zu diesem Zeitpunkt war die D7100 aus unerfindlichen Gründen überall in Berlin vergriffen) überwunden war und Calumet das begehrte Stück endlich wieder auf Lager hatte, haben wir nun schon einige gemeinsame Erlebnisse hinter uns, und ich bin bereit, ein Fazit zu ziehen.

Vorbemerkung

Die Nikon D90 war ein echtes Sahnestück. Das einstige Flaggschiff der Consumer-DSLRs von Nikon hat mich durch dick und dünn begleitet und sich dabei als unglaublich robust erwiesen. Strömender Regen auf Festivals, der eimerweise vom Bühnendach auf die Fotografen im Graben floss, konnte ihr ebenso wenig anhaben wie die Staubwolken, die uns einhüllten, als wir unter Sahara-ähnlichen Bedingungen in Budapest unterwegs waren. Im Stich gelassen hat sie mich nie, und die Bildqualität ist durchaus zufriedenstellend. Für Anfänger, die sich ein wenig auf das Thema Fotografie einlassen möchten, wäre meine Universalempfehlung noch immer eine gebrauchte D90 aus dem Auktionshaus. Aber es kommt eben der Zeitpunkt, da reicht zufriedenstellende Bildqualität nicht mehr aus – und hier habe ich mich letztlich für die D7100 entschieden. Ich bin mir aber sicher, dass der Käufer meiner D90 noch viel Spaß mit diesem Baby haben wird.

Gründe für die D7100

Kommen wir zum Eingemachten – nämlich, was mich an der D7100 überzeugt hat:

  • Die Preisfrage: ein Umstieg auf D610 oder D800(E) hätte meine bisherigen Linsen fast vollständig unbrauchbar gemacht, auch wenn die D800X einen DX-Modus besitzt. So eine Kamera möchte man nicht kastrieren, und schon bald wären unweigerlich neue FX-Linsen für richtig teures Geld fällig geworden. Da ich bis heute kein Geld mit der Fotografie verdiene und dies auch nicht beabsichtige, siegte hier (ausnahmsweise) die Vernunft.
  • Der fehlende Tiefpassfilter: Die Schärfe war genau das, was mich die D90 missen ließ. Die D7100 versprach ebenso wie die D800E einen deutlichen Schärfezuwachs durch den Verzicht auf einen Tiefpassfilter, der dazu da ist, den berüchtigten Moirée-Effekt zu mindern. Selbiger taucht bei vielen feinen, nah aneinanderliegenden Linien auf – bei meinen Anwendungen kann er aber kaum auftreten, und selbst wenn, hat gerade Lightroom heute gute Algorithmen, um ihn zu mindern. Der Tiefpass war somit für mich verzichtbar, und meine Wahl wurde so eingegrenzt auf die D800E und die D7100.
  • Die ISO-Range: Selbst Aufnahmen mit ISO1600 sind mit der D7100 mit anschließender leichter Nachbehandlung in Lightroom kein Problem, erst darüber tritt leichtes Rauschen auf. Da ich bei einigen Anwendungen doch auf höhere ISO-Zahlen angewiesen bin – ein klares Plus, das aber auch für die D800E gesprochen hätte, wären da nicht die anderen Argumente.
  • Die Auflösung: Satte 24MP liefert der Sensor der D7100 auf die Speicherkarte (und darauf komme ich später noch zu sprechen…). Kombiniert mit der deutlich besseren Schärfe bringt diese Auflösung ausreichend Reserven für Ausschnittsvergrößerungen, falls die Brennweite einmal doch nicht ausreicht.
  • Der Autofokus: Eingebauter AF-Motor und 51 AF-Messfelder und 15 Kreuzsensoren, wie in der D800.
  • Das Handling: Die D7100 ist zwar geringfügig schwerer als die D90, bringt aber mit Magnesium-Teilgehäuse immer noch weniger Gewicht auf die Waage als die D800E und ist dabei etwas handlicher. Zudem gibt es in der Bedienung für ehemalige D90-Nutzer nur sehr wenig Umstellungen – wer Nikon-DSLRs kennt, wird mit ihr problemlos klarkommen binnen weniger Stunden.

Die D800E war letztlich aus Budget-Gründen aus dem Rennen, zumal die D7100 beinahe alles an Features mitbringt, die mich an der D800E gereizt hätten.

Erste Erfahrungen mit der D7100 – Unterschiede zur D90

Die D7100 wirkt sofort wertig, solide verarbeitet und kommt mit dem vertrauten Bedienungskonzept daher. Die überflüssigen Motivprogramme wurden auf dem Moduswahlrad endlich einkondensiert auf einen Menüpunkt, dafür gibt es zwei benutzerdefinierte Settings, und endlich gibt es auch eine Sperre für das Moduswahlrad, um versehentliches Verstellen zu verhindern. Darunter am Außenring ist ein separat gesperrtes Wahlrad für die Verschlusseinstellungen (Single, Low, High, Spiegelvorauslösung, Quiet).

Der Body liegt gut in der Hand, alles ist bequem mit einer Hand erreichbar, sodass meine Anforderung an mich selbst, die Kamera auch blind bedienen zu können, schnell erfüllbar sein wird. Schnell also die Speicherkarte eingelegt – und der erste große Unterschied wurde sichtbar: Die 8GB-Karte aus der D90, frisch formatiert, zeigte in der D90 eine Kapazität von 490 Bildern (RAW-Einstellung bei beiden Kameras) an. In die D7100 eingelegt, springt der Bildzähler auf 140 – es wurde also sofort klar, dass neue, größere Speicherkarten unabdingbar werden. Die 24MP machen sich nunmal bemerkbar, und mir schwant, dass ich mir auch bald um größere externe Festplatten Gedanken machen werde.

Die ersten Testbilder waren direkt beeindruckend: Knackscharf, sowohl mit dem legendären Nikkor 50mm/1.8 als auch mit dem eher mittelmäßigen Nikkor 18-200mm/3.5-5.6 – das ließ Gutes erahnen. Die Farben waren angenehm und natürlich, der automatische Weißabgleich der D7100 erfüllt seine Aufgabe durchaus gut, nur kleine Nachkorrekturen waren fällig. Die ersten Serien in der freien Wildbahn machten unglaublich Spaß: der Autofokus arbeitet schnell, präzise und leise, das Verschlussgeräusch ist gegenüber der D90 mit ihrem recht auffälligen Klacken deutlich gedämpft, aber knackig. Bei meiner Hochzeit wurde sie direkt auf die nächste Probe gestellt und musste als Kamera für unsere PhotoBooth herhalten – auch perfekt gemeistert. Die Bilder sind absolut überzeugend geworden.

Insgesamt bereue ich den Umstieg keineswegs, ebenso wenig wie meine Entscheidung gegen den Umstieg auf FX-Kameras. Aber: Der Vergleich Nikon D90 vs. Nikon D7100 wäre nicht vollständig, wenn nicht auch ein paar (kleinere) Gründe aufgezählt würden, die eher für die gute alte D90 sprechen würden…

Vorteile Nikon D90 gegenüber Nikon D7100

  • Speicherhunger: Die Bilder aus der D90 sind mit ihren 12,3MP weitaus genügsamer, was den Speicherplatz angeht, als die Bilder aus der D7100 mit 24MP. Und sie reichen durchaus auch für einen Druck in A4-Größe und höher.
  • Stromverbrauch: Ein echtes Thema bei der D7100. Während ich mit der D90 unbesorgt ohne Ersatzakku auf Festivals unterwegs war und bedenkenlos einen Tag durchshooten konnte (roundabout 1.000 Bilder/Tag), um am Ende sogar noch Restkapazität auf dem Akku zu haben, ist die D7100 weitaus hungriger nach Strom. In unserer PhotoBooth musste der Akku nach einiger Zeit nachgeladen werden, wobei hier auch zusätzliche Faktoren wie ausgeschalteter Standby und interner Blitz als Master für das entfesselte SB-600 den Stromverbrauch erhöht haben – aber allgemein lässt sich festhalten, dass der Akku der D7100 bei weitem nicht so lange hält wie bei der D90.
  • Komplexität: Die D7100 ist nicht nur ein einfacher Nachfolger für die D90. Sie ist technisch weitaus komplexer, und sie auszureizen, erfordert wesentlich mehr Fotografie-Fachwissen als die D90. Sie ist damit ideal für Leute, die sich wirklich mit den technischen Grundlagen der Fotografie befasst haben oder dies beabsichtigen, während die D90 eher als Sorglos-Kamera auch für ambitionierte Einsteiger mit wenig Grundwissen empfohlen werden kann.

Besonders gespannt bin ich auf den ersten Test in unseren Flitterwochen auf Korsika – hier kommt auch mein neues Nikkor 16-85mm/3.5-5.6 zum Einsatz. Einige Testbilder werden folgen – einfach den Blog abonnieren oder in wenigen Wochen wiederkommen 🙂

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2 Comments

  1. Hallo Timo, danke für den ausführlichen Bericht.
    Ich hab die letzten Jahre sogar gut mit der Nikon D50 überstanden. Doch möchte ich wegen der Bildqualität jetzt doch aufrüsten. Momentan steht die D 7200 auf der Wunschliste. Doch ein Bekannter von mir würde die D 90 verkaufen.
    Jetzt bin ich am überlegen. Video ist nicht mein Ding.Ich mach viel Landschaftsaufnahmen, Stimmungen, sogenannte reisefotografien.
    Was meinen Sie?
    Liebe Grüße
    Angelika Pressler

    • Hallo Angelika,

      Das ist eine ganz schwierige Frage, die sehr viel mit eigenem Bauchgefühl zu tun hat.
      Ich persönlich würde die D7100 heute eher doch gegen eine spiegellose Kamera wie die Fuji X-T1 oder die Sony A7 eintauschen als gegen die D90, denn gerade auf Reisen spielen Gewicht und Handlichkeit ja eine große Rolle.
      Den Schritt von der D50 auf die D90 habe ich selbst vor einigen Jahren gewagt und wurde nicht enttäuscht, der Sprung zur D7xxx ist aber auf jeden Fall noch höher. Was für die D90 spricht in Sachen Reisefotografie, sind Robustheit, Akkudauer und Speicher. Dagegen sprechen die im Artikel genannten Vorteile der D7100 wie Schärfe, Auflösung und so weiter. Auch in der Dämmerung macht die D90 nicht die allerbeste Figur. Ansonsten ist sie eine Klasse Kamera mit gutem Sensor, die es heute extrem günstig gibt. Zusammen mit besseren Linsen wie den erwähnten 50/1.8, dem 16-85/3,5 oder dem 35/1.8 macht sie in jedem Fall tolle Bilder und ist natürlich weitaus günstiger als die neuen Modelle. Aber Vorsicht: vor dem Kauf einer gebrauchten D90 unbedingt nach der Zahl der Auslösungen Fragen! Nikon gibt als Basiswert für die Verschluss-Lebensdauer bei der D90 nur 50.000 Auslosungen an…

      Ich hoffe, ich konnte ein wenig weiterhelfen!
      Viel Grüße, Timo

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